AQUINATA PFLEGEEINRICHTUNGEN

Was Sie schon immer über uns wissen wollten...


Am 10. Februar 1927 wurde in der Uhlandstraße in Berlin-Wilmersdorf ein Wohnheim für 15 katholische Schwestern eingeweiht. Die Initiative dazu hatte die aus Essen stammende Krankenschwester Gertrud van Beek ergriffen, die neun Jahre zuvor in die Reichshauptstadt gekommen war und hier die Notwendigkeit erkannte, katholische Schwestern familiär zusammenzuschließen, da viele von ihnen allein in der großen Stadt lebten und dies unter schwierigen Bedingungen. Den Wohnraum hatte die Familie von Geheimrat Dr. Lilia zur Verfügung gestellt.

Bei der Einweihung waren unter den Freunden und Schwestern als Gäste die Geistlichen von St. Ludwig, der Caritasdirektor van Aaken, der Pfarrer von Mater Dolorosa in Berlin-Lankwitz, Pfarrer Franz Nafe, und als priesterlicher Freund der Schwesternschaft Dr. Carl Sonnenschein. Auf seinen Rat hin wählten sich die Schwestern den heiligen Thomas von Aquin zum Patron und sein Wort "Domine, non nisi Te! - Herr nichts außer Dir!" zum Leitwort.

Die neu gegründete Schwesternschaft sah zuerst ihre Aufgabe in der ambulanten häuslichen Krankenpflege und es dauerte nur 3 Jahre, bis sie in Berlin-Lichterfelde-Ost das erste Hospital in der Diözese Berlin eröffnen konnte. Bischof Dr. Christian Schreiber weihte es am 27. November 1930 - im Gründungsjahr des Bistums Berlin - ein. Diesem ersten Aquinata-Hospital folgte die Eröffnung von weiteren drei Hospitälern in den Jahren 1932, 1935 und 1940.

Als im August 1943 alle Langzeitkranken außerhalb Berlins evakuiert wurden, sollten die Patienten der Aquinata-Häuser erst in den Warthegau verlegt werden. Mit Hilfe von Admiral Ciliax, dessen Mutter von Aquinata-Schwestern gepflegt wurde, gelang es jedoch, die Kranken in das Militärlazarett in Schweizermühle bei Pirna (Sachsen) zu verlegen. Während der Verlegung erreichte die Schwestern die Nachricht, daß die beiden Häuser in Lichterfelde und Südende einem Bombenangriff zum Opfer gefallen waren. In Schweizermühle wurden ca. 300 Patienten betreut, dazu kamen noch auf Bitten von Caritasdirektor Albs die Übernahme einer Krankenstation mit 55 Patienten und eines Pflegeheims mit 35 Patienten in Leipe (Schlesien).

Nach Kriegsende ging zunächst Oberin van Beek nach Berlin zurück und erreichte nach mühsamen Verhandlungen, dass das Haus in der Ladenbergstraße in Berlin-Dahlem von den Besatzungsmächten zurückgegeben wurde. Es fehlte an allem. Die Schwestern zogen mit einem geliehenen Handwagen quer durch die Stadt und erbettelten von katholischen Krankenhäusern und anderen Einrichtungen Bettgestelle, Matratzen, Wäsche, Küchengeräte, Lebensmittel und vieles mehr. Mit ungebrochenem Willen wurde dann ein Haus nach dem anderen eröffnet. Im Jahre 1952 konnte in der Knesebeckstraße in Berlin-Lichterfelde-West das jetzige Mutterhaus eingeweiht werden. 25 Jahre nach der Errichtung des ersten Aquinata-Hospitals weihte Bischof Wilhelm Weskamm im November 1955 das Aquinata-Hospital in der Pacelliallee 19-21 ein. 1964/65 wurde in Bad Driburg ein Haus für Zwecke der Ausbildung und Erholung sowie als Ruhesitz für Schwestern geschaffen.

Kurz vor ihrem Tod am 1. April 1970 plante die Gründerin der Aquinata-Schwesternschaft noch den Neubau einer Krankenanstalt für Chronischkranke auf dem Gelände der Pfleidererstraße 3-4.

Mit Pioniergeist und unerschütterlichem Gottvertrauen hat Gertrud van Beek zuammen mit ihren Mitschwestern in schwerer Zeit dieses segensreiche Werk geschaffen. Als ihre Nachfolgerin bestimmte sie Schwester Mechtildis Hannstein, die ihr 40 Jahre lang umsichtig zur Seite stand.

Oberin Mechtildis Hannstein leitete mit großer Güte die Aquinata-Schwesternschaft mehr als 10 Jahre bis zu ihrem Tod am 25.11.1980. Ihre erste große Aufgabe bestand in der Umsetzung der Planung des Neubaus in der Pfleidererstraße 3-4 und in der Zusammenlegung der Patienten aus vielen kleineren Einrichtungen; im Zusammenhang mit der Krankenhaus- und Krankenheimplanung des Senats von Berlin waren die kleineren Häuser aufzugeben. Später erfolgte dann die Umwandlung der beiden Einrichtungen in der Knesebeckstraße und Pfleidererstraße in Krankenheime.

Als weiterer Neubau wurde von Oberin Mechtildis Hannstein die Altentagesstätte mit der Kapelle „Maria, Mutter vom Guten Rat" in Berlin-Lichterfelde-Süd, Celsiusstraße 46-48 geplant und durchgeführt, deren Einweihung sie durch Dr. Joachim Meisner, den neu ernannten Bischof von Berlin, am 5. Juli 1980 noch erlebte.

Oberin Mechtildis Hannstein fand ihre letzte Ruhe an der Seite der Gründerin von Aquinata auf dem Matthias-Friedhof in Berlin-Mariendorf.

Als dritte Oberin der Aquinata-Schwesternschaft wurde Schwester Maria Müller berufen. 1903 in der Rhön geboren, trat sie 1932 der Schwesternschaft bei und versah zuerst ihren Dienst als Schwester in der Hauskrankenpflege.

Im Jahre 1936 zog sie in die Leineweber-Villa in Berlin-Südende, die der Schwesternschaft von der Familie Dr. Schaller zur Verfügung gestellt wurde. Dort betreute sie zusammen mit weiteren Aquinata-Schwestern 80 Patienten. In den großzügigen Räumen fanden bisweilen auch Exerzitien, Einkehrtage und Studententreffen unter dem damaligen Studentenseelsorger Dr. Johannes Pinsk statt. 1943 ging Schwester Maria Müller mit den evakuierten Patienten nach Schweizermühle.

Nach Kriegsende arbeitete Schwester Maria Müller zuerst im wiedereröffneten Haus in der Ladenbergstraße und wurde bald darauf Leiterin des Hauses in der Bismarckstraße in Berlin-Lichterfelde-Ost. Von Oberin Gertrud van Beek wurde sie 1952 im neuen Mutterhaus in der Knesebeckstraße zur Oberschwester bestellt. Hier wirkte sie bis zum Heimgang von Oberin Mechtildis Hannstein auch als rechte Hand der Oberin. Nur schweren Herzens hat sie das Amt der Oberin auf sich genommen und zielbewußt Schwester Vera Fellner durch eine nicht leichte, aber gute Schule zu ihrer Nachfolgerin vorbereitet und bestimmt.

Für Oberin Maria Müller war es ein großer Tag, als ihr von Bischof Dr. Joachim Meisner am 1. Mai 1982 zum 50-jährigen Jubiläum als Aquinata Schwester die Hedwigsmedaille als Auszeichnung für den langjährigen treuen Dienst verliehen wurde. Gleichzeitig legte sie das Amt der Oberin in die Hände von Oberschwester Vera Fellner.

Aus gesundheitlichen Gründen ging Schwester Maria Müller kurze Zeit später in ihre alte Heimat - in die Rhön zurück, wo sie am 17. Mai 1985 heimging. Sie fand ihre Ruhestätte auf dem Friedhof in Poppenhausen neben ihren Eltern und Angehörigen.

Oberin Vera Fellner führt die Tradition von Aquinata bewußt fort: aktivierende Pflege der Patienten, menschliche Wärme verbunden mit seelsorgerischer Zuwendung, moderne und ansprechende Räumlichkeiten sind wesentliche Elemente des sozialen Engagements der Schwesternschaft. Mit der neu errichteten Wohnanlage für Senioren in Berlin-Lichterfelde-Ost, Jungfernstieg 12/12 B befinden sich heute alle Aquinata-Häuser auf dem Gebiet der Pfarrei „Heilige Familie", deren Pfarrgeistliche sich um die Patienten kümmern. Als Kaplan dieser Pfarrei habe ich von 1968 bis 1975 in den Häusern Gottesdienst gefeiert und die Kranken besucht, jetzt tun dies Woche für Woche Dekan Ullrich Hampel und für die evangelischen Christen Pfarrer Gottfried Bretzger.

Freude bereitet es, wenn sich alle Bewohner in den Häusern wohlfühlen und mit Gottvertrauen in die Zukunft schauen. Mögen die Angehörigen der Bewohner und die Freunde des Hauses mit dafür sorgen, dass Freundlichkeit, Liebenswürdigkeit und Gottvertrauen ein Klima schaffen, in dem sich alle wohlfühlen können. Allen sei herzlich gedankt für ihre Mitarbeit und ihren Einsatz. Ad multos annos.

Pfarrer Michael Schlede, Pfarrei Mater Dolorosa

Gertrud van Beek
Gertrud van Beek
Mechtildes Hannstein
Mechtildes Hannstein
Maria Müller
Maria Müller
Vera Fellner
Vera Fellner

zurück